Reasonable FaithWilliam Lane CraigWednesday, 3/27/2019
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Beschreibung

Kritik an drei modernen / postmodernen Versuchen zu leugnen, dass es objektive Tatsachen über Gott gibt.

Pilatus ging nun wieder hinein in das Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du dies von dir selbst aus, oder haben dir das andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben dich mir überliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde, nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt. Da sprach Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme. Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? (Johannes 18,33-38).

In allen Zeitaltern haben Menschen dieselbe Frage gestellt wie Pilatus. Was ist das Wesen der Wahrheit? Woran erkenne ich Wahrheit? Gibt es die eine Wahrheit? Für mich als christlicher Philosoph sind das einige der Fragen, die ich gemeinsam mit Ihnen näher betrachten möchte.

Das biblische Konzept der Wahrheit ist recht facettenreich. Normalerweise benutzt die Bibel die Wörter „wahr“ oder „Wahrheit“ in einem nicht-philosophischen Sinn, um Eigenschaften wie Treue, moralische Rechtschaffenheit, Zuverlässigkeit und so weiter zu bezeichnen. Gelegentlich spricht die Heilige Schrift jedoch auch im philosophischen Sinne von Wahrhaftigkeit, und natürlich gehen die biblischen Verfasser überall davon aus, dass das, was sie schreiben, in genau diesem Sinn wahr ist, dass sie also nichts Falsches schreiben. Christliche Theologie hat also allemal Anlass, sich über den philosophischen Wahrheitsbegriff Gedanken zu machen.

Doch obwohl das so ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass es keine spezifisch christliche Theorie der Wahrheit gibt. Genauso sollte es auch sein, denn wenn das Christentum eine eigene Definition und besondere Standards der Wahrheit präsentieren würde, dann wäre sein Anspruch, wahr zu sein, ein Zirkelschluss oder systemabhängig und damit belanglos. Aber der christliche Glaube will sich auf dem Marktplatz der Ideen empfehlen. Dass der christliche Glaube wahr ist, behauptet er in dem allgemeinen, gewöhnlichen Sinn des Wortes und überlässt die Formulierung einer ausführlicheren Definition den Philosophen. Wenn Philosophen also verschiedene Wahrheitstheorien – wie die Korrespondenztheorie der Wahrheit, die Kohärenztheorie der Wahrheit oder die Existenztheorie der Wahrheit – formulieren, kann keine davon als die christliche Wahrheitstheorie bezeichnet werden, und jede einzelne dieser Theorien wurde auch von christlichen Philosophen vertreten.

Ich für meinen Teil finde eine minimalistische Version der Korrespondenztheorie der Wahrheit besonders zufriedenstellend. Diese Theorie geht auf Aristoteles zurück oder ist sogar noch älter. Nach Aristoteles „ist es falsch, von dem Seienden zu sagen, es sei nicht, oder von dem Nicht-Seienden zu sagen, es sei; doch von dem Seienden zu sagen, dass es ist, oder von dem Nicht-Seienden zu sagen, dass es nicht ist, ist wahr.“ Aristoteles nennt hier die Bedingungen, unter denen etwas als wahr behauptet werden kann, statt eine Definition der Wahrheit an sich zu geben, und mir scheint, dass seine außerordentlich einflussreiche Charakterisierung recht treffend ist.

Fortsetzung hier:

https://de.reasonablefaith.org/schriften/popularwissenschaftliche-schriften/gibt-es-eine-objektive-wahrheit-ueber-gott

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