Reasonable FaithWilliam Lane CraigTuesday, 2/5/2019
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Beschreibung

Erstmalig veröffentlicht in: Contending with Christianity's Critics, S. 2-5, Hrsg. Paul Copan und W. L. Craig, Nashville, Tenn. 2009: Broadman und Holman.

Richard Dawkins hat sich zum enfant terrible der Bewegung des Neuen Atheismus entwickelt. Sein Bestseller Der Gotteswahn (engl. The God Delusion, erschienen 2006) ist zu dem wichtigsten Referenzwerk, ja zu einem Manifest dieser Bewegung geworden [1]. In dem Werk versucht Dawkins zu zeigen, dass der Glaube an Gott eine Wahnvorstellung ist, oder auch 'eine falsche Überzeugung oder ein falscher Eindruck', oder schlimmer, 'eine dauerhafte falsche Vorstellung, die trotz starker entgegengesetzter Belege aufrechterhalten wird, insbesondere als Symptom einer psychiatrischen Erkrankung'. [2] Auf den Seiten 222f in Der Gotteswahn fasst Dawkings die - wie er es nennt – “zentrale Argumentation meines Buches” zusammen. [3] Daher sollte man sich diese Argumentation genau ansehen. Wenn dieses Argument versagt, dann ist Dawkins Buch im Kern ausgehöhlt. Und das Argument ist in der Tat beschämend schwach.

Sie lautet wie folgt:

  1. Eine der größten Herausforderungen für den menschlichen Geist war lange Zeit die Frage, wie im Universum der Anschein komplexer, unwahrscheinlicher Gestaltung (Design) entstehen konnte.
  2. Es ist eine natürliche Versuchung, den Anschein von Gestaltung auf tatsächliche Gestaltung zurückzuführen.
  3. Diese Versuchung führt in die Irre, denn die Gestalterhypothese (Designerhypothese) wirft sofort die umfassendere Frage auf, wer den Gestalter gestaltet hat.
  4. Die genialste und leistungsfähigste Erklärung für den Anschein von Design im Bereich der Biologie ist die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion.
  5. Eine entsprechende Erklärung für die Physik kennen wir nicht.
  6. Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch in der Physik noch eine bessere Erklärung gefunden wird, die ebenso leistungsfähig ist wie der Darwinismus in der Biologie.

Daher existiert Gott mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Analyse

Schon auf den ersten Blick ist dieses Argument überhaupt nicht überzeugend, denn die atheistische Schlussfolgerung „Daher existiert Gott mit ziemlicher Sicherheit nicht“ scheint plötzlich aus heiterem Himmel zu kommen. Man muss kein Philosoph sein, um zu merken, dass dieser Schluss nicht aus den sechs vorangehenden Aussagen folgt.

Wenn wir diese sechs Aussagen als Prämissen eines Argumentes auffassen, aus welchen der Schluss folgen soll, „Daher existiert Gott mit ziemlicher Sicherheit nicht“, dann ist das Argument offensichtlich logisch ungültig. Es gibt keine logischen Schlussregeln, die es erlauben würden, aus diesen sechs Aussagen diese Schlussfolgerung zu ziehen.

Wenn man es etwas wohlwollender interpretiert, kann man diese sechs Aussagen statt als Prämissen, als zusammenfassende Aussagen von sechs Schritten in Dawkins’ kumulativer Begründung für seine Schlussfolgerung, dass Gott nicht existiere, auffassen. Aber selbst bei dieser wohlwollenden Interpretation folgt der Schluss “Daher existiert Gott mit ziemlicher Sicherheit nicht” nicht aus den sechs Schritten, selbst wenn wir einräumen würden, dass jeder von ihnen – für sich genommen - wahr und berechtigt wäre. Der einzige Wahn, den Dawkins hier nachweisen konnte, ist sein eigener Wahn, dass es sich hier um ein Argument handelt, das 'sehr ernsthaft gegen Gottes Existenz spricht'. [4]

Fortsetzung hier:

https://de.reasonablefaith.org/schriften/popularwissenschaftliche-schriften/dawkins-atheismus-wahn

Mit Genehmigung von Reasonable Faith verwendet.